#Euromaidan: Eine Depesche aus dem Informationskrieg

Während die Ukraine noch um ihre eigene neue Identität ringt, tobt zwischen Ost und West ein Informationskrieg um die Vorherrschaft in der Ukraine. Ein Kommentar zur Medienbereichterstattung über den Konflikt in der Urkaine von Philipp Adamik.

„Die grundlegende Schlacht, die in Gesellschaften ausgefochten wird, ist die Schlacht um den Geist der Menschen.“ 2007 begann der Soziologe Manuel Castells seine Aufsatz über die Macht in der Netzwerkgesellschaft mit diesen Worten. Heute kann sich ihre Wahrheit kaum stärker zeigen als in der Berichterstattung über die Proteste in Kiew und die andauernde Krise in Ukraine.

Rede des US-Senators John McCain auf dem Maidan
Rede des US-Senators John McCain auf dem Maidan

Im deutschen Informationskrieg um die Ukraine werden zwei Positionen besonders häufig vertreten. Auf der einen Seite ist dies die pro-europäische Position, die vorwiegend in den deutschen Mainstreammedien vertreten wird. Nach dieser waren die Proteste legitim, die Machtübernahme legal, die Ukrainer wollten sich der europäischen Union anschließen, der Einfluss von Faschisten auf die Proteste war sehr gering, die Besetzung der Krim durch Russland und das anschließende Referendum um den Anschluss der Ukraine an Russland war illegal und Vladimir Putin ist ein machthungriger Despot, der in seiner eigenen Welt lebt.
Auf der anderen Seite wird die pro-russische Position in einigen selbsternannten alternativen und linken Medien vertreten. Demnach wurden die Proteste von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten gesteuert, die Proteste und die anschließende Machtübernahme fand ausschließlich unter dem Kommando der Faschisten statt, welche auch die derzeitige Regierung dominieren, die Besetzung der Krim diente dem Schutz der dort lebenden russischen Bevölkerung, das Referendum war legal und Vladimir Putin setzt sich nur einer machthungrigen westlichen Allianz entgegen.
Für den durchschnittlichen Medienkonsumenten ist der Wahrheitsgehalt beider Postionen kaum zu überprüfen. So wie die Ukraine zwischen den europäischen und russischen Interessen zerrieben wird, wird dabei der Geist der Menschen zwischen diesen beiden Positionen zerrieben. Da werden auf der einen Seite via Facebook alle deutschen Mainstreammedien als Nato-Propagandablätter bezeichnet und auf der anderen Seite Informationen aus diesen Quellen grundsätzlich und dies auch leider häufig zu recht nicht beachtet.
Obwohl die pro-europäische und die pro-russische Position gleichermaßen auf der bewussten Auswahl von Fakten und z.T wohl auch auf Lügen basieren, sind beide beide Positionen grundsätzlich falsch. Denn zwischen den beiden wird auf Kosten der ukrainischen Bevölkerung und im Moment besonders auf den Rücken der Bewohner der Krim das geopolitische Machtspiel des Westens und Russlands unreflektiert ausgetragen. Dabei findet die einzig wirklich angemessene linksintellektuelle Position, die man in diesem Machtpoker einnehmen kann, kaum Gehör. Die Position einer internationalen Solidarität mit den Bewohnern der Ukraine und der Krim, wie sie auch hier von Volkhard Mosler vertreten wird.

Pressekonferenz Vladimir Putins zur Kirse in der Ukraine
Pressekonferenz Vladimir Putins zur Kirse in der Ukraine

Obwohl es schwierig ist den Willen dieser Menschen von heimischen Schreibtisch und mit Hilfe der Medien zu erfassen, existieren doch Mittel und Wege hierfür. Ein erster Ansatz sind die Berichte der Menschen wie Marina Weisband und Ilya Budraitskis die tatsächlich vor Ort waren. Auch wenn sie, wie Marina Weisband Positionen für die eine oder andere Seite beziehen, sind sie dennoch verlässlichere Informationensquellen als viele der Kommentatoren, die das Geschehen selbst nur aus Medienberichten kennen. Auch können, statt sich nur auf die westlichen Medien zu berufen, die englischsprachigen russischen und ukrainische Medien zu Rate gezogen werden. Linksammlungen wie diese hier helfen dabei. Ein sehr arbeitsintensiver aber lohnender Weg ist die direkte Kommunikation mit Ukrainern z. B. via Twitter. Dies sind nur die niedrigsten Qualitätsstandards, denen sich sowohl die Mainstreammedien als auch die selbsternannten linken Medien unterwerfen sollten. Denn eines muss in dieser Situation klar sein. Auch wenn der angeblich objektiv ermittelte Wille der Bevölkerung etwas anders sagt, kann es in dieser Konsolidierungsphase der Revolution nicht im Interesse der ukrainischen oder der Bevölkerung der Krim liegen sich irgendeinem Machtblock anzuschließen. Denn für solche langfristigen und kaum umkehrbaren Entscheidungen müssten sich die Wirren der Revolution erst einmal gelegt haben.
In der Ruhe nach dem Sturm, wenn in Kiew unter Beobachtung der Vereinten Nationen reguläre Wahlen stattgefunden haben, könnte über solchen Fragen nachgedacht werden. Jede jetzt getroffene Entscheidung in die eine oder die andere Richtung kann nicht im Interesse der Menschen dort sein. Denn sie können im Moment einfach noch nicht wissen, was ihre Interessen sind. Leider gewähren weder Russland durch die Annektierung der Krim noch die Europäische Union durch die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der neuen ukrainischen Regierung den Menschen in der Ukraine die nötige Zeit. Auch wenn der Ausgang des Konflikts zwischen den beiden kontinentalen Blöcken noch nicht entschieden ist, so steht der Verlierer jetzt schon fest. Es sind die Menschen in der Ukraine.

© Text: Philipp Adamik 2014

Bilder: CC BY-SA 3.0 Rede John McCain by Mr. Rosewater und Pressekonfererenz Vladimir Putin by The Presidential Press and Information Office.

Der Artikel erschien ursprünglich hier in der Community des Freitags. Für die anregenden Diskussion mit den Lesern, aus der einige Änderungen an diesem Artikel hervorgegangen sind, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Literatur:

Castells, Manuel 2007: Communication, Power and Counter-Power in the Network Society. In: International Journal of Communication 1 (2007).

 

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10 thoughts on “#Euromaidan: Eine Depesche aus dem Informationskrieg”

  1. Marina Weisband – Kulissenbild einer gesellschaftlichen Aussteigerin in Ukraine (mit 3 Jahren Kleinstkinderfahrung und geringsten Sprachkenntnissen) und Deutschland. Damit wirkt der gesamte Beitrag eher lächerlich und gekauft.

    1. Hier das Zitat meiner Antwort an Hubi Stendahl: “Da dies schon der zweite Kommentar ist, der sich über meine Angabe von Marina Weisband als Informationsquelle echauviert, werde ich mich dazu wohl noch äußern müssen. Ich sage zu keiner Zeit, dass man Marina Weisbands Beurteilung der Situation absolut vertrauen kann oder soll. Und selbstverständlich ist sie auch eher den pro-europäischen Lager zuzurechnen. Aber, und das rechtfertigt ihre Nennung hier, ist sie eine der wenigen Menschen in Deutschland die sich zur Situation äußern und tatsächlich vor Ort waren. Ein Vergleich zwischen Weisbands Kommentaren und den Artikel, den ich als prototypisch für die pro-europäische Position anführe macht dies sofort deutlich. Auch wenn ich zugeben muss, dass dieser Artikel die ekelhafteste Propaganda ist, die mir in der gesamten Presselandschaft bisher untergekommen ist. Ich werde dies aber unverzüglich in dem Artikel deutlicher darstellen.”

  2. Schade, dass der Verfasser in diesem Artikel den guten Ansatz des Vergleichs zweier Propaganda Sichtweisen verläßt und sich dann in Empfehlungen ergießt, die wieder eine der beiden Sichtweisen favorisiert.

    Man kann einen Artikel nicht ernsthaft ” neutral ” stellen und gleichzeitig eine Exil – Ukrainerin wie Marina Weisband, die sich für ein paar Stunden auf dem Maidan Platz in Kuschelatmosphäre aufhielt, als Informationsquelle verkaufen. Die Höhe ist aber die Aufforderung, sich seine Informationen aus der ursupierten ukrainischen Presse zu holen. Das kann doch nur ein Witz sein.

    Mit der unabänderlichen Tatsache, dass es bei allen geopolitischen Streitereien ausschließlich um Interessen der Staaten, Industrie-/ und Hochfinanzoligarchie geht und immer gehen wird, stolpert jeder politisch Interessierte immer über den Ursache- / Wirkungszusammenhang. Dabei merken auch ” Gutmenschen ” schnell, dass es nie um Menschen oder aus westlicher Sichtweise gar Demokratie geht.

    Im vorliegenden Fall ist die Ursache die Energieverteilung auf dem Planeten, sowie das Abschneiden von Handels- / und Militärwegen von Konkurrenten ( Krim ).

    So entstanden die von außen durch Internationalisten ( USA / EU ) gesteuerten ” Farbenrevolutionen ” und die von interessierter Gegenseite ( BRIC ) durchgeführten Gegenmaßnahmen ( z.B. Syrien ).

    Es muss endlich begriffen werden, dass es nicht um pro russische oder pro westliche Sichtweisen geht. Es geht darum, ob Rosneft als größter Energiekonzern der Welt Exxon abhängt, ob Gazprom seine Machtposition und Handelswege z.B. durch den Bau der South Stream Pipeline ausweiten kann und es geht darum, ob wir mittelfristig in einer Konzerndiktatur mit angehängten Pseudostaaten leben wollen oder in einer pluralen Welt der Kooperation.

    Insofern sind die sogenannten Politiker nichts anderes als Hampelmänner die dem Konsumenten ( nicht Menschen ) zu verkaufen haben, was gut für sie ist.

    Die Ukraine ist nur ein weiterer Schritt im Spiel der internationalisierten Konzerne die Macht über die Staaten zu erringen. Jetzt ist Russland dran und die Ukraine insofern nur das Vorspiel.

    1. Da dies schon der zweite Kommentar ist, der sich über meine Angabe von Marina Weisband als Informationsquelle echauviert, werde ich mich dazu wohl noch äußern müssen. Ich sage zu keiner Zeit, dass man Marina Weisbands Beurteilung der Situation absolut vertrauen kann oder soll. Und selbstverständlich ist sie auch eher den pro-europäischen Lager zuzurechnen. Aber, und das rechtfertigt ihre Nennung hier, ist sie eine der wenigen Menschen in Deutschland die sich zur Situation äußern und tatsächlich vor Ort waren. Ein Vergleich zwischen Weisbands Kommentaren und den Artikel, den ich als prototypisch für die pro-europäische Position anführe macht dies sofort deutlich. Auch wenn ich zugeben muss, dass dieser Artikel die ekelhafteste Propaganda ist, die mir in der gesamten Presselandschaft bisher untergekommen ist. Ich werde dies aber unverzüglich in dem Artikel deutlicher darstellen. In ihren restlichen Ausfürhungen sehe ich keine Widerspruch zu meiner Position. Sie beleuchten die Situation nur aus einer anderen Perspektive.

  3. Sehr geehrter Herr Adamik,

    sicherlich ist Ihre Analyse in einigen Punkten zutreffend- vor allem die Aussage das dieser “Krieg” in die Köpfe der Menschen gebracht werden soll.

    Dies ist mir sehr wohl bewusst- denn ich wäre als Mutter eines 18Jährigen Sohnes direkt betroffen.

    Der wichtigste Punkt ist meiner Ansicht nach das dieser Krieg NICHT in den Köpfen der Menschen landen darf- weder über Frau Weishaut noch über Andere. Denn vom Krieg in den Kopf ist es selten ein langer Weg bis der Mensch zu den Waffen greift.
    Ich stehe weder auf der Seite Herrn Putins- sehe allerdings- und da bin ich auch ehrlich das er aufgrund der Ereignisse irgendwie handeln musste- egal von wem auch immer diese Revolution angezettelt wurde. Denn eine unbestrittene Tatsache ist z.B das Herr Putin bereits im Jahr 2007 auf der Sicherheitskonferenz ganz eindeutig seine Besorgnis und seine Sicht der Dinge zum Ausdruck brachte.
    Ein weiterer Punkt ist das- für die betreffenden sicherlich peinlich – herausgekommene Telefonat zwischen Frau Nuland und Herrn Kerry- wobei nicht der Ausspruch ” Fuck the EU” zwar eine gewisse Geisteshaltung zum Ausdruck bringt- sondern man seitens der VSA sich sehr viel weitergehende Gedanken geradezu aufdrängen.
    Wichtig ist es desweiteren die Geschichte Europas zu kennen- und auch die Betrachtung der gegenwärtigen – irgendwie reichlich diffusen Aussagen zu der wirtschaftlichen Stellung jedes der “Mitspieler ” ist seltsam.

    Wichtig ist für mich jedoch:

    Der Mensch wirtschaftet- im Gegensatz zu den meisten Tieren. Also brauchen wir eine vernünftige Balance zwischen Wirtschaft und Mensch. Diese ist meines Erachtens NICHT mehr gegeben.

    Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Politik soll die Regeln des Zusammenlebens bestimmen. Diese Politik muss den Interessen möglichst ALLER Beteiligten dienen.

    Wir alle können nur miteinander leben wenn wir das Gegenüber als Partner und nicht als Gegner sehen. Dabei gilt es auch seine Interessen zu respektieren und anzuerkennen und zu tolerieren, selbst wenn wir sie nicht teilen oder verstehen.

    Was ich nicht möchte ist irgendwann darüber informiert zu werden das mein Sohn für die Idee eines anderen den ich nicht kenne sein Leben verloren hat. Es gibt KEINEN Krieg der Gewinner- bei jedem Krieg verlieren alle.
    Sie verlieren Menschen die sie lieben, Hoffnungen, Ideen, Mut.

    Also Schluss mit der Hetzerei und dem Säbelrasseln: Herr Putin und Herr Obama in einen Ring und dann können die Beiden Ihre Konflikte austragen- entweder mit Geist oder mit IHREN Fäusten

    1. Hallo Bettina,

      besten Dank für deinen Kommentar. Ich habe meine Erwähnung von Frau Weisband bereits in einem anderen Kommentar erläutert, deshalb werde ich sie hier nicht wiederholen werde. Indes kann ich auch keinen wirklichen Widerspruch zu meinen Aussagen sehen. Schließlich schreibe ich am Schluss: “Auch wenn der Ausgang des Konflikts zwischen den beiden kontinentalen Blöcken noch nicht entschieden ist, so steht der Verlierer jetzt schon fest. Es sind die Menschen in der Ukraine.”

  4. Sehr geehrter Herr Jürgens,

    ihre Argumentation ist, um sie zu zitieren, UNFUG. Zunächst zitiere ich in diesem Artikel außer Manuel Castells niemanden. Im Prinzip werfen sie mir nur vor, dass ich bei den BEISPIELEN für priviligierte Quellen eine ihrer bevorzugten Quellen nicht erwähnt habe. Das muss ich nicht und schmälert in keinster Weise meine Argumention. Dafür habe ich meine Linksammlungen, in die ich ihren Beitrag gerne aufgenommen habe. Außerdem machen sie ja genau dass, was ich den Artikel als beste Strategie für alle empfehle, die so wie ich auf mediale Informationen angewiesen sind. Sie halten Kontakt zu den Menschen in der Ukraine und wenden sich Quellen zu, die selbst vor Ort waren. Allerdings sollten sie bei der Auswahl ihrer Quellen etwas sorgfälltiger sein. Stadler ist und war mit nichten ein, sondern ist aus als Privatmensch auf Einladung des Rechtspopulisten Luc Michel in die Ukraine gereisst und wurden dort von der Autonomieregierung der Krim von Ort zu Ort gebracht. Das ein Vertreter einer europakritischen Partei sich gerne auf die Seite der Russen schlägt, ist dabei genau so verständlich wie Marina Weisbands pro-europäische Position.
    Außerdem ist es für meinen Beitrag und meine Position, die selbstverständlich hauptsächlich meinen eigenen Überlegungen entspringt, vollkommen irrelevant, wer von den beiden Blöcken wann, wie und was gemacht hat. Weshalb ihre Zusammenfassung überhaupt keinen Grund in die bodenlose Schlammstocherei bringt, sondern nur darlegt, dass sie sich selbst einen pro-russischen Lager zuordnen. Das beide Positionen durchaus auch Fakten vertreten, habe ich nie angzweifelt, aber es schlicht und ergreifend vollkommen irrelvant. Außerdem möchte ich sie bitten Ihren für mich unverständlichen Unmut über meine Position in einer höfflicheren Form zum Ausdruck zu bringen. Schließlich stimmen wir ja im Kern, wenn ich sie hier noch ein mal zitieren darf überein: “Die Menschen in der ukraine werden genau DANN Opfer der Situation bleiben, solange Ihre Vertretung eine ebenso völkerrechtswidrige und eben partiell faschistische ist, und solange die internationale Presse verantwortungslos handelt.

    MFG

    Adamik

    P. S. den Tippfehler habe ich einfach korrigiert.

  5. Beide Sichtweisen falsch? Also ich unterstelle dem Autor hier eine ganz bewusst gespielte Ahnungslosigkeit bzw. Naivität.

    Jeder mit noch zwei funktionierenden Hirnzellen konnte live verfolgen, wer hier das Recht bricht. Russen und russischsprachige Ukrainer waren es sicherlich nicht.

    1. Entschuldigung, aber ich werde mal deutlich. Wer noch zwei funktionierende Hirnzellen hat, kann meinen Artikel richtig lesen. Zum einem geht es Positionen und nicht um Sichtweisen. Den Unterschied dürfen sie gerne selbst herausfinden. Zweitens geht es überhaupt nicht um den Punkt wer hier welches Recht bricht. Der Artikel bezieht schlicht und ergreifend dazu überhaupt keine Stellung.

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