Way Back When Festival in Dortmund – Eine kritische Reflexion

Juttebeutel: Way Back When

Ganze drei Tage dauerte Dortmunds erstes Way Back When Festival, das vom 29. – 31.05. mit einem Line-Up aus internationalen Indie- und Folkrockbands sowie kombinierbaren Kunst- und Nachtaktivitäten auftrumpfte. Die Besucher nahmen das Programm dankend an und erschienen in Massen. Alles in allem ein großer Erfolg für Dortmund – und doch bleibt ein seltsamer Nachgeschmack. 

Denn warum, frage ich mich als Dortmunder Independent-Künstler, muss erst eine große Konzertagentur aus Hamburg kommen, um hier solch ein Event auf die Beine zu stellen? Und sind bei genauerer Betrachtung der Events nicht wieder die ewig Gleichen im Boot, die sich so gerne mit Schlagworten wie Independent und Alternativkultur schmücken und mit der eigentlichen Kunst – und Kulturszene der Stadt nicht ansatzweise kooperieren?  Und stimmt es wirklich, wie es die Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH in ihrer Pressmitteilung ausdrückt, dass “Dortmund City offenbar ein Missverständnis auf dem Weg nach Köln ist, das es gilt geradezurücken?” 

 
Der pochende Puls Dortmunder Independent Kultur schlägt bekannterweise auf der Nordseite unserer Stadt und allen, die “Mighty Oaks!” rufend an den Way Back When Abenden ihre Arme ins FZW Firmament streckten sei gesagt: geniale Konzerte mit ebenso bekannten wie unbekannten Folk-, Indie- und Noiserock-Künstlern aus aller Welt veranstalten wir in Dortmund fast täglich und das schon seit geraumer Zeit. Ihr kommt nur einfach nicht hin. Natürlich war Way Back When wichtig und ein gutes Angebot erhöht die Nachfrage. Langfristig hätte es wohl den vielen Kleinveranstaltern und Nordstadtvierteln aber mehr geholfen, wenn man nicht die halbe Stadt wieder einmal ins FZW oder ins Domicil gelotst hätte. So entsteht leider der Eindruck, Dortmunds Kunst und Kulturszene würde nur zwischen Tanzcafé und Union4tel existieren und so bleibt alles beim Alten: Ein Missverständnis eben. GneisenWow, Nordmarkt, Münsterstraße, Pauluskirche – ausgeblendet. Viel mehr aber hätte man mit einem Schlag Nordstadt-Vorurteile abbauen und neue Wege freimachen können. Wenn man Dortmunds Independentkultur tatsächlich nachhaltig helfen möchte, so wie es der Veranstalter großzügig ankündigte, dann bitte auch an den kritischen Stellen.
 
Aber vor allem die Dortmunder Kreativ – und Nordstadtköpfe sollten sich Gedanken machen. Denn der Erfolg von Way Back When hat wieder einmal gezeigt, wie groß der Bedarf an solchen Veranstaltungen tatsächlich ist. Warum es anscheinend ein solches Problem ist, Indiekultur begeisterte Dortmunder in die wahren Stätten unsere Treibens zu locken, ist eine Frage, die man sich stellen sollte. Und dass erst eine Hamburger Konzertagentur solch ein Festival in die Hand nehmen muss, ist zwar etwas peinlich, aber wir können dafür nur dankbar sein. Am Ende bleibt nur zu sagen: Danke Way Back When und seinen Veranstaltern für ein großartiges Festival. Und ab hier geht es weiter: Lasst euch treiben und nehmt teil an den vielen außergewöhnlichen Veranstaltungen, die viele engagierte Menschen dieser Stadt fast täglich auf die Beine stellen. Wir empfangen euch alle mit offenen Armen. Versprochen.

Nachtrag:
Die Veranstalter des Way Back When Festivals haben uns auf diesen Artikel direkt kontaktiert und wir haben die angesprochenen Punkte beidseitig konstruktiv beleuchtet. Abschließend kann man sich jetzt schon auf eine noch intensivere Zusammenarbeit beider Seiten für 2015 freuen.
Dieser Gastbeitrag von
 

 

 

erschien zunächst hier auf seinen Blog Last Junkies On Earth.

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